Pädagogik, die stärkt.
POSITIVE PÄDAGOGIK IN DER KITA
Als ich im Oktober 2021 aus der Kita in die Redaktion von kindergarten heute in Freiburg wechselte, war ich voller Vorfreude auf die neuen Aufgaben. Gleichzeitig waren die Eindrücke aus meiner Zeit in der Praxis noch sehr präsent.
Ich hatte Fachkräfte erlebt, die mit Elan dabei waren, die versuchten, allem gerecht zu werden und sich dabei nicht selbst zu verlieren. Gleichzeitig schwang in den Gruppen eine erschöpfte Grundstimmung mit. Das hinterließ Spuren im Team, in der Kommunikation und natürlich im Umgang mit den Kindern.
Diese Erfahrungen beschäftigten mich so sehr, dass mich eine Frage nicht mehr losließ: Wie kann uns (frühe) Bildung guttun? Nicht im Sinne von „Alles läuft immer super“ oder „Wir müssen immer gut drauf sein“, sondern eher: Was brauchen wir eigentlich? Und: Wie sorgen wir dafür, dass es Kindern gut geht?
Aus dieser Frage heraus entwickelte ich mein erstes eigenes Programm und nannte es „Happy Education“. Ich befasste mich mit der Positiven Psychologie, besuchte mehrere Kurse und kann die Bücher von Daniela Blickhan und Melanie Zandler (vormals Hausler) wärmstens empfehlen. Durch weitere Recherche stieß ich auf die Positive Pädagogik, die sowohl in Deutschland als auch international – unter anderem in Finnland – im Schulsystem Anwendung findet. Ich merkte schnell, dass die Kombination aus Happy Education und Positiver Pädagogik genau das ist, was meine Frage beantworten kann.
Die Positive Pädagogik wurde im Januar 2023 zum Schwerpunktthema der kindergarten heute-Ausgabe mit einem Grundlagenbeitrag, einem Interview mit Olaf-Axel Burow (Autor diverser Fachbücher zum Thema) und einem Beitrag von Faultier Frieda und Anke Elisabeth Ballmann (Autorin von Seelenprügel und Das Faultierprinzip). Ein spannendes Thema, das erstmals umfassend für den Kita-Sektor ausgearbeitet wurde.
In meinem letzten Jahr in Freiburg durfte ich das praxis kompakt zu diesem Thema schreiben und freue mich, dass die ersten Erkenntnisse hier nun gebündelt zusammenkommen. Liana Schulz leitet die Kita Julikinder in Berlin und arbeitet in ihrer Einrichtung nach der Positiven Pädagogik. Im Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen und macht anderen Kitas Mut, diesen Ansatz für sich zu entdecken.
Das praxis kompakt erschien am 12. August 2025 und ist überall dort erhältlich, wo es Bücher gibt – und natürlich auch direkt im Shop der Redaktion.
WAS IST DIE POSITIVE PÄDAGOGIK?
Die Positive Pädagogik vereint wissenschaftliche Erkenntnisse aus unterschiedlichen Disziplinen. Sie greift Ansätze aus der Psychologie auf – darunter die Positive Psychologie, die Verhaltenspsychologie und die Pädagogische Psychologie – und verbindet sie mit pädagogischen Richtungen wie der Medien-, Erlebnis-, Theater- und Gestaltpädagogik. Ergänzend fließen Perspektiven aus der Medizin, beispielsweise der Salutogenese, sowie aus Philosophie, Humanbiologie, Ethik, Soziologie und Neurobiologie ein.
Im Mittelpunkt der Positiven Pädagogik steht ein Perspektivwechsel. Sie lenkt den Blick auf die Stärken von Kindern und geht davon aus, dass Lernen dann leichter fällt, wenn Kinder wertschätzende Interaktionen und verlässliche Beziehungen erleben und wenn sie erfahren dürfen, dass ihr eigenes Handeln Bedeutung hat.
Positive Pädagogik versteht Bildung dabei nicht losgelöst vom Alltag, sondern als etwas, das im Miteinander entsteht. Sie lädt dazu ein, den pädagogischen Alltag so zu gestalten, dass er Kindern und Fachkräften guttut.
Ihre Haltung zeigt sich unter anderem darin,
- sich vom defizitären Blick auf Kinder zu lösen
- die eigenen Stärken einzubringen
- sinnerfüllt tätig zu sein
- neugierig zu bleiben
- Kindern auf Augenhöhe zu begegnen
- einen Ort des Vertrauens zu schaffen
- Grenzen zu achten
aus: Winkler, H. (2023): Zugewandt, entspannt - utopisch? Positive Pädagogik in der Kita. In: kindergarten heute 1/2023, S. 12.














